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BWA für Arztpraxen: warum das Ergebnis nicht Ihr Gewinn ist

Die BWA zeigt ein vorläufiges Ergebnis, keinen Gewinn: Es steht vor Arztlohn, Einkommensteuer und Tilgung. 16 KV-Zahlungen lassen den Umsatz springen.

Kolja Schmid
Co-Founder ·
Auszug einer BWA
Modellwerte, je Inhaber:in (Zi-Praxis-Panel, 2023)
Gesamtleistung360.300 €
davon Personalkosten106.200 €
Gesamtkosten183.200 €
Überschuss177.100 €

Die BWA kommt jeden Monat aus der Kanzlei, und unten steht eine Zahl, die aussieht wie Ihr Gewinn. Sie ist es nicht. Bei einer Einzelpraxis steht dort das Ergebnis vor Ihrem eigenen Arztlohn, vor Einkommensteuer und vor jeder Kredittilgung. Wer diese Zeile für den Verdienst nimmt, verschätzt sich um genau die Summe, die das Leben kostet.

Dieser Beitrag zeigt, was in einer BWA steht, was systematisch fehlt und warum der Umsatz einer Arztpraxis darin in Sprüngen erscheint. Er vertieft einen Baustein aus dem Leitfaden Praxiscontrolling.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das vorläufige Ergebnis ist nicht Ihr Gewinn: Es steht vor Arztlohn, Einkommensteuer und Tilgung.
  • Private Entnahmen erscheinen nirgends in der BWA, weil sie keine Betriebsausgabe sind.
  • Der Umsatz springt, weil die KV monatliche Abschläge und die Schlusszahlung erst Monate später überweist.
  • Drei Stellen sind unterjährig ungenau: fehlende Abgrenzung, geschätzte Abschreibungen, vorausbezahlte Jahresbeiträge.
  • Personalkosten binden mit Abstand am meisten: rund 58 Prozent der Aufwendungen je Inhaber:in (Zi-Praxis-Panel, 2023).

Was eine BWA ist und was nicht

Die betriebswirtschaftliche Auswertung ist eine Zwischenrechnung aus der laufenden Buchhaltung. Sie stellt Einnahmen und Kosten eines Monats gegenüber, zusätzlich kumuliert für das Jahr, und endet in einem vorläufigen Ergebnis. In der verbreiteten Standardform trägt der Ausdruck in der Kopfzeile nicht das Wort BWA, sondern die Bezeichnung Kurzfristige Erfolgsrechnung.

Wichtig für die Erwartung: Ein verbindliches Schema gibt es nicht. Die Fachliteratur formuliert das deutlich, das Schema einer BWA unterliege keinen Regelungen, in der Ausgestaltung seien die Praxen frei (Radiologen Wirtschaftsforum, 2023). Die folgenden Zeilenbezeichnungen stammen aus der verbreiteten Standardform. Ihre Kanzlei-BWA kann anders aufgebaut sein, gerade wenn sie ein Branchenpaket für Ärzte nutzt.

Was die BWA nicht ist: ein Jahresabschluss. Unter jedem Blatt steht der Hinweis, dass das vorläufige Ergebnis dem derzeitigen Stand der Buchführung entspricht und Abschluss- sowie Abgrenzungsbuchungen es noch verändern können.

Die Zeilen, auf die es ankommt

Eine vollständige BWA führt Dutzende Zeilen. Für die Steuerung reichen sechs davon. Die Anteilsspalte ordnet ein, wie viel Gewicht eine Kostenzeile üblicherweise hat (Zi-Praxis-Panel, je Inhaber:in, 2023):

Zeile Was sie zeigt Anteil an den Aufwendungen
1. Gesamtleistung Alles, was hereinkam
2. Personalkosten Größter Kostenblock 58,0 %
3. Raumkosten Miete und Nebenkosten 11,1 %
4. Abschreibungen Investitionen, über Jahre verteilt 4,7 %
5. Gesamtkosten Summe aller Kostenzeilen
6. Vorläufiges Ergebnis Zwischenstand, nicht Ihr Gewinn

Die drei genannten Kostenzeilen machen zusammen knapp 74 Prozent der Aufwendungen aus, die übrigen 26 Prozent verteilen sich auf kleinere Blöcke wie Material, Wartung und Versicherungen. In der vollständigen BWA stehen zwischen Gesamtkosten und vorläufigem Ergebnis außerdem Zinsen und die sogenannten neutralen Posten. Beides ist unterjährig selten aussagekräftig. Wer wenig Zeit hat, liest die sechs Zeilen oben und lässt den Rest.

Warum das vorläufige Ergebnis nicht Ihr Gewinn ist

Drei Dinge fehlen in dieser Zahl, und alle drei kosten Geld.

Ihr eigener Arztlohn. Bei einer GmbH wird ein Geschäftsführergehalt gebucht und mindert das Ergebnis. In einer Einzelpraxis gibt es kein Gehalt für die Inhaberin, sondern private Entnahmen, und die sind keine Betriebsausgabe. Der Virchowbund formuliert das knapp: Private Einlagen und Entnahmen tauchen in der BWA nicht auf (Virchowbund, 2026). Buchhalterisch liegen sie auf Eigenkapitalkonten, nicht auf Erfolgskonten. Das Betriebsergebnis einer Einzelpraxis ist damit ein Ergebnis vor Unternehmerlohn. In einer Berufsausübungsgemeinschaft gilt dasselbe, dort heißen die Entnahmen Vorabentnahme und Gewinnverteilung. Anders liegt es nur im MVZ in GmbH-Form: Dort wird ein Geschäftsführergehalt gebucht und mindert das Ergebnis tatsächlich.

Die Einkommensteuer. Die Standardform hat zwar eine Zeile für Steuern vom Einkommen und Ertrag, doch dort stehen gebuchte Zahlungen, keine berechnete Steuerschuld. Und selbst wenn dort ein Betrag steht, senkt er Ihren steuerpflichtigen Gewinn nicht: Nach § 12 Nummer 3 des Einkommensteuergesetzes sind Steuern vom Einkommen nicht abziehbar.

Die Tilgung. Von einer Kreditrate erscheint nur der Zinsanteil in der BWA, die Tilgung verlässt das Konto lautlos. Warum Ergebnis und Kontostand generell auseinanderlaufen, behandelt der Beitrag zur Liquidität in der Arztpraxis.

Als Größenordnung: Das Zi weist für 2023 je Inhaber:in einen Überschuss von 177.100 Euro aus. Von dieser Art Zahl gehen die drei Blöcke oben noch ab, und keiner von ihnen steht in der BWA:

Position Betrag In der BWA enthalten?
Überschuss laut Zi, nur zur Einordnung 177.100 € (je Inhaber:in, 2023) In Ihrer BWA steht hier das vorläufige Ergebnis
Abzüglich Arztlohn und private Entnahmen Individuell Nein, sie sind keine Betriebsausgabe
Abzüglich Einkommensteuer Individuell Nur gebuchte Zahlungen, keine Steuerschuld
Abzüglich Kredittilgung Individuell Nur der Zinsanteil
Bleibt verfügbar Was Sie tatsächlich entnehmen können Nein, die BWA endet drei Zeilen früher

Genau das ist der Punkt: Die Lücke zwischen der Zahl unten in der BWA und dem, was am Jahresende übrig bleibt, kennt nur Ihre eigene Aufstellung.

Warum der Umsatz in Sprüngen kommt

Auf das Praxiskonto fließt monatlich ein Abschlag, die vollständige Vergütung eines Quartals folgt mit erheblichem Abstand. Für das erste Quartal überweist die KV Baden-Württemberg die Schlusszahlung am 15. Juli, für das zweite am 15. Oktober (KV Baden-Württemberg, 2024). Die KV Sachsen nennt das Ende des vierten Monats nach Quartalsende (KV Sachsen, 2025). Die Termine unterscheiden sich also je KV.

Daraus ergibt sich ein Muster: In vier Monaten des Jahres treffen ein regulärer Abschlag und die Schlusszahlung eines längst abgeschlossenen Quartals zusammen. Nach dem Zahlungsplan der KV Baden-Württemberg sind das Januar, April, Juli und Oktober. Bei anderen KVen verschieben sich die Termine, das Muster bleibt. Diese Monate sehen in der BWA aus wie Spitzenmonate, die übrigen wie Einbrüche. Insgesamt kommen so rund sechzehn Zahlungen im Jahr zusammen, drei Abschläge und eine Schlusszahlung je Quartal (Radiologen Wirtschaftsforum, 2023).

Die BWA macht hier nichts falsch. Die meisten Praxen ermitteln ihren Gewinn nach § 4 Absatz 3 des Einkommensteuergesetzes als Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben. Dann gilt nach § 11 das Zufluss- und Abflussprinzip: Eine Einnahme zählt in den Monat, in dem das Geld eingeht, nicht in den Monat der Behandlung. Der Sprung ist die korrekte Abbildung eines Zahlungsflusses, kein Fehler und kein wirtschaftliches Signal.

Praktische Folge: Vergleichen Sie einen Monat nie mit dem Vormonat, sondern mit demselben Monat des Vorjahres. Nur dann liegen Abschlags- und Schlusszahlungsmonate übereinander.

Drei Stellen, an denen die BWA unterjährig ungenau ist

  1. Keine Periodenabgrenzung. Solange die Kanzlei nicht abgrenzt, landet jede Zahlung im Monat des Geldflusses. Die BWA listet auf, was tatsächlich bezahlt und geleistet wurde, offene Forderungen bleiben außen vor (Virchowbund, 2026).
  2. Geschätzte Abschreibungen. Unterjährig werden Abschreibungen häufig nur pauschal fortgeschrieben. Die gängigen Standardkontenrahmen halten dafür ein eigenes Konto bereit, das genau diese unterjährig pauschal gebuchten Abschreibungen abgrenzt. Deutlicher lässt sich nicht bestätigen, dass die Zahl vorläufig ist.
  3. Vorausbezahlte Jahresbeiträge. Berufshaftpflicht, Kammerbeitrag oder ein Wartungsvertrag werden einmal im Jahr fällig und schlagen bei Gewinnermittlung nach Zufluss vollständig in diesem einen Monat durch. Der betroffene Monat sieht schlechter aus, als er war.

Für die Praxis heißt das: Ein einzelner Monat trägt keine Entscheidung. Erst die kumulierte Spalte und der Vorjahresvergleich ergeben ein Bild.

Wie oft Sie hineinschauen sollten

Erstellen lassen: monatlich oder quartalsweise. Vertieft auswerten: halbjährlich. Mit Fachgruppe und Mehrjahresreihe vergleichen: einmal im Jahr. Diese drei Takte empfiehlt der Virchowbund, und sie haben je einen eigenen Zweck.

Die monatliche Fassung dient dem Überblick, nicht der Entscheidung: Sie zeigt vor allem, ob eine Kostenzeile aus dem Rahmen läuft. Erst die Halbjahres-BWA trägt den Vergleich zum Vorjahr, weil sie genug Monate umspannt, um Abschlags- und Schlusszahlungseffekte auszugleichen. Und erst der Jahresvergleich mit der eigenen Fachgruppe zeigt, ob eine Auffälligkeit an Ihrer Praxis liegt oder am Fach. Solche Vergleichswerte nach Fachrichtung, Region und Praxisgröße pflegen wir als eigene Datenbasis.

Eine Erwartung sollten Sie dabei dämpfen: Nach Einschätzung des Virchowbunds ist die BWA einer Arztpraxis oft erst im zweiten oder dritten Wirtschaftsjahr wirklich aussagekräftig, weil vorher die Vergleichsbasis fehlt.

Eine verbindliche Frist, wann die BWA für einen Monat vorliegen muss, gibt es übrigens nicht. Die Abgabenordnung verlangt in § 146 nur, dass Buchungen zeitgerecht erfolgen, ohne eine Tagesfrist zu nennen. Günter Stephan nennt im Radiologen Wirtschaftsforum drei Wochen nach Monatsende als Idealwert. Was für Ihre Praxis gilt, ist eine Frage an Ihre Kanzlei, keine gesetzliche Vorgabe.

Häufige Fehler

In der Praxissteuerung begegnen uns beim Lesen einer BWA immer wieder dieselben Missverständnisse:

  • Das vorläufige Ergebnis für den Gewinn nehmen. Es steht vor Arztlohn, Steuer und Tilgung.
  • Monat mit Vormonat vergleichen. Wegen der KV-Zahlungstermine vergleicht man damit Ungleiches.
  • Einen Ausschlag als Trend lesen. Eine Jahresprämie oder eine Schlusszahlung erklärt die meisten Sprünge.
  • Auf die Abschreibungszeile bauen. Unterjährig ist sie meist eine Schätzung.
  • Ohne Fachgruppenbezug vergleichen. Das Kostengerüst unterscheidet sich zwischen den Fachrichtungen erheblich, Vergleichswerte liefert der Praxis-Benchmark.

Von der BWA zur Steuerung

Die BWA ist die richtige Datengrundlage, sie ist nur zu langsam und zu grob für laufende Entscheidungen. Der nächste Schritt ist deshalb kein anderes Dokument, sondern eine kleine Auswahl an Kennzahlen, die Sie regelmäßig aus dieser Grundlage ziehen. Welche das sind, mit Formel und Datenquelle, zeigt der Beitrag zu den wichtigsten Praxiskennzahlen; den eigenen Wert beim größten Kostenblock rechnet der Personalkostenquoten-Rechner aus.

Der Aufwand liegt dabei nicht im Rechnen, sondern im Zusammentragen: Kosten stehen in der BWA, Honorardaten im Praxisverwaltungssystem, der Kontostand in der Bank. Genau diesen Schritt übernimmt der Finanzmanager von MediPulse, der die drei Quellen verbindet und die Kennzahlen laufend statt monatsverzögert zeigt.

Fazit

Eine BWA beantwortet zuverlässig, wohin das Geld geflossen ist. Sie beantwortet nicht, was Sie verdient haben, und sie beantwortet es auch dann nicht, wenn die Zahl unten so aussieht. Wer die sechs tragenden Zeilen kennt, den Vorjahresmonat statt des Vormonats vergleicht und die drei unterjährigen Ungenauigkeiten im Kopf hat, liest aus demselben Blatt deutlich mehr heraus.

Die Angaben in diesem Beitrag sind allgemeine Information und ersetzen keine Steuer- oder Rechtsberatung. Für die Auslegung im Einzelfall ist Ihre Steuerberatung die richtige Adresse.

Quellen

Häufige Fragen

Was ist eine BWA?

Die betriebswirtschaftliche Auswertung ist eine unterjährige Zwischenrechnung aus der laufenden Buchhaltung. Sie stellt Einnahmen und Kosten eines Monats sowie kumuliert für das Jahr gegenüber und endet in einem vorläufigen Ergebnis. In der verbreiteten Standardform trägt sie in der Kopfzeile die Bezeichnung Kurzfristige Erfolgsrechnung.

Ist das vorläufige Ergebnis der BWA mein Gewinn?

Nein. In einer Einzelpraxis oder Berufsausübungsgemeinschaft steht dort das Ergebnis vor Ihrem eigenen Arztlohn, vor Einkommensteuer und vor der Tilgung von Krediten. Private Entnahmen erscheinen in der BWA gar nicht, weil sie keine Betriebsausgabe sind. Der steuerpflichtige Gewinn ergibt sich erst im Jahresabschluss.

Warum schwankt der Umsatz in meiner BWA so stark?

Weil die Kassenärztliche Vereinigung monatliche Abschläge zahlt und die Schlusszahlung eines Quartals erst Monate später folgt. In den Monaten, in denen Abschlag und Schlusszahlung zusammenfallen, springt der Umsatz nach oben, in den übrigen fällt er ab. Da die meisten Praxen ihren Gewinn nach dem Zufluss ermitteln, gibt die BWA das korrekt wieder.

Wie oft sollte ich die BWA auswerten?

Der Virchowbund empfiehlt, zweimal im Jahr einen genaueren Blick auf die Entwicklung im Vergleich zum Vorjahr zu werfen, jeweils auf Basis der Halbjahres-BWA, und den Mehrjahres- sowie Fachgruppenvergleich einmal jährlich. Erstellt wird die BWA meist monatlich oder quartalsweise, damit überhaupt ein aktueller Überblick besteht.

Warum stimmen Abschreibungen in der BWA oft nicht?

Weil sie unterjährig häufig nur geschätzt fortgeschrieben werden. Die gängigen Standardkontenrahmen sehen dafür ein eigenes Konto zur Abgrenzung unterjährig pauschal gebuchter Abschreibungen vor. Die Korrektur kommt erst mit den Abschlussbuchungen, der Monatswert kann also nach oben wie nach unten abweichen.

Kann ich meine BWA mit anderen Praxen vergleichen?

Nur mit Vergleichswerten der eigenen Fachgruppe, denn das Kostengerüst unterscheidet sich zwischen den Fachrichtungen erheblich. Ohne diesen Bezug lässt sich aus einer einzelnen Quote kaum ableiten, ob ein Wert auffällig ist. Sinnvoll ist zusätzlich der Vergleich mit den eigenen Vorjahren.

Kolja Schmid
Über den Autor
Kolja Schmid · Co-Founder

Als sein Vater 2014 ein chirurgisches MVZ gründete, übernahm Kolja Schmid die betriebswirtschaftliche Steuerung. Über sieben Jahre trug er Kontobewegungen, Personalkosten und Abrechnungen in Tabellen zusammen, immer im Nachhinein. MediPulse ist die Antwort auf diese Jahre: das Werkzeug, das er damals gebraucht hätte. Zuvor beriet er bei McKinsey zu digitalen Geschäftsmodellen. Bei MediPulse verantwortet er das Produkt.

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