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Praxis-Dashboard: 3 Quellen, die zusammengehören müssen

Ein Dashboard aus einer Quelle zeigt Leistung, keinen Euro. Was darauf gehört, wie schnell jede Zahl da ist und was ein Prozentpunkt Personalanteil kostet.

Kolja Schmid
Co-Founder ·
Drei Quellen, drei Geschwindigkeiten
Was jede zeigt und wann sie es zeigt
Praxisverwaltungssystem
Leistung je Fall, am selben Tag
Buchhaltung
Kosten, mehrere Wochen später
Bankkonto
Zahlung, ohne Zuordnung

Zahlen hat jede Praxis. Was daraus selten entsteht, ist ein Bild, aus dem eine Entscheidung folgt. Das liegt nicht an fehlender Software, sondern daran, dass die Zahlen einer Praxis an drei verschiedenen Orten liegen, in drei verschiedenen Geschwindigkeiten ankommen und einzeln jeweils nichts aussagen.

Ein Dashboard ist deshalb keine Frage der Darstellung, sondern eine Frage der Zusammenführung. Dieser Beitrag beschreibt, welche drei Quellen zusammengehören, wie schnell jede von ihnen ist, woran eine Ansicht aus einer einzigen Quelle scheitert und was bei der Auswahl einer Software zu fragen ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Prozentpunkt mehr Personalanteil kostet rund 4.470 Euro im Jahr je Inhaber:in, wenn die übrigen Kosten gleich bleiben. Wer ihn erst im Jahresabschluss sieht, hat ihn zwölf Monate lang bezahlt.
  • Drei Quellen gehören zusammen: Leistungsdaten, Kosten und Zahlungseingang. Jede ist für sich vollständig und für sich aussagelos.
  • Die drei Quellen haben verschiedene Geschwindigkeiten: Leistung am selben Tag, Kosten Wochen später, das endgültige Honorar Monate später.
  • Die größten Kostenblöcke sind bekannt, jeweils als Anteil an den Aufwendungen 2023: 58,0 Prozent Personal, 11,1 Prozent Miete einschließlich Nebenkosten, 4,7 Prozent Abschreibungen.
  • Individualisierbar muss die Bezugsgröße sein, nicht die Oberfläche: je Behandler:in, je Standort oder je Leistungsgruppe ist eine Entscheidung über die Auswertung.
  • Eine Ansicht, die alles gleich aktuell aussehen lässt, täuscht über den Stand der Zahlen und führt zu Schlüssen, die die Datenlage nicht trägt.

Was ein Prozentpunkt kostet

Ein Prozentpunkt mehr Personalanteil kostet rund 4.470 Euro im Jahr je Inhaber:in, wenn die übrigen Kosten gleich bleiben. Die Herleitung: Das Zi-Praxis-Panel weist für das Berichtsjahr 2023 Aufwendungen von 183.223 Euro je Inhaber:in aus, davon 58,0 Prozent für Personal, also rund 106.000 Euro.

Damit der Anteil auf 59,0 Prozent steigt, ohne dass die übrigen Positionen sinken, muss die Aufwandssumme mitwachsen; der Personalaufwand liegt dann bei rund 110.700 Euro. Die Annahme gehört zur Zahl: Steigt der Anteil stattdessen, weil andere Kosten sinken, ist es eine andere Rechnung und ein kleinerer Betrag.

Personalkosten verschieben sich selten in Sprüngen. Sie verschieben sich über Tarifanpassungen, über eine zusätzliche halbe Stelle, über Überstunden, die zur Regel werden. Keine dieser Bewegungen fällt im Monat auf, in dem sie beginnt. Auffallen kann sie nur, wenn jemand den Anteil laufend sieht, und genau das ist die Aufgabe einer solchen Ansicht.

Zur Einordnung: Denselben Aufwendungen standen 2023 im Mittel rund 360.300 Euro Einnahmen je Inhaber:in gegenüber, am Ende blieben 177.076 Euro Jahresüberschuss. Drei Prozentpunkte, die unbemerkt wandern, sind gemessen daran keine Rundungsdifferenz: Sie kosten, sobald sie erreicht sind, nicht dreimal 4.470, sondern rund 14.100 Euro im Jahr, weil die Wirkung mit dem Anteil überproportional wächst.

Der Punkt ist nicht, dass diese Zahlen für jede Praxis gelten. Sie gelten für keine. Der Punkt ist die Größenordnung, in der eine unbemerkte Verschiebung liegt, und die Frage, wie lange sie unbemerkt bleiben darf.

Die drei Quellen, die zusammengehören

Eine Praxis führt ihre wirtschaftlichen Daten nicht an einer Stelle, sondern an dreien. Das ist kein Versäumnis, sondern folgt daraus, wofür die drei Systeme gebaut sind.

Quelle Was sie enthält Wann sie es zeigt
Praxisverwaltungssystem Jede erbrachte Leistung mit Tag, Diagnose und Behandler:in Am Behandlungstag
Buchhaltung Die Kostenseite, gegliedert nach Aufwandsarten Mit der Buchung, oft Wochen später
Bankkonto Den tatsächlichen Zahlungsein- und -ausgang Sofort, aber ohne Zuordnung

1. Das Praxisverwaltungssystem kennt jede Ziffer und keinen Euro

Ein Praxisverwaltungssystem führt die Abrechnung, und dabei führt es sie vollständig: Leistung, Tag, Diagnose, zugeordnet zur behandelnden Person. Einen Euro führt es dazu nicht. Für Auswertungen ist die Leistungsseite damit ungewöhnlich gut aufgelöst und die Geldseite gar nicht.

Was dort nicht liegt, sind Kosten und Zahlungseingänge. Eine Leistungsgruppe kann in der Menge wachsen und im Ergebnis schrumpfen, und das System zeigt nur die erste Hälfte davon. Wo diese Grenze genau verläuft, ist im Beitrag zur Auswertung im Praxisverwaltungssystem aufgeschlüsselt.

2. Die Buchhaltung kennt die Kosten und kommt zu spät

Die Kostenseite entsteht in der Buchhaltung, und sie entsteht dort vollständig. Ihr Nachteil ist der Takt: Zwischen dem Monat, in dem etwas ausgegeben wird, und dem Monat, in dem es in einer Auswertung steht, liegen regelmäßig mehrere Wochen. Was die betriebswirtschaftliche Auswertung deshalb leisten kann und was nicht, ist im Beitrag zur BWA in der Arztpraxis aufgeschlüsselt.

Für ein Dashboard heißt das: Die Kostenseite ist die langsamste der drei Quellen und zugleich die, an der die größten Blöcke hängen. Vom Aufwand des Jahres 2023 trug das Personal 58,0 Prozent, die Praxisräume samt Nebenkosten 11,1 Prozent und die Abschreibungen 4,7 Prozent. Der Personalkostenquoten-Rechner misst denselben Block am Umsatz statt an den Aufwendungen und liefert deshalb für dieselbe Praxis einen anderen Wert.

3. Das Bankkonto kennt die Zahlung und nicht ihren Grund

Was auf dem Konto liegt, steht exakt da; wofür es gekommen ist, steht nicht dabei. Der Kontostand ist damit die einzige der drei Größen, die nicht geschätzt ist, und die einzige ohne Begründung. Eine Restzahlung der Kassenärztlichen Vereinigung sieht auf dem Konto aus wie jede andere Gutschrift, und sie gehört zu Behandlungen, die Monate zurückliegen.

Wie weit die beiden auseinanderliegen können, zeigt ein Beispiel: Bei der KV Sachsen liegt der Termin der Restzahlung für ein Abrechnungsquartal am Ende des vierten Folgemonats. Wer die Eingänge eines Monats für dessen Ergebnis hält, ordnet Geld einem Zeitraum zu, in dem die Leistung gar nicht erbracht wurde.

Warum eine Ansicht aus einer Quelle die falsche Hälfte zeigt

Hat ein Dashboard nur eine Quelle, ist es die schnellste, und das ist die erste: Leistungsdaten liegen strukturiert vor, sind sofort verfügbar und lassen sich ohne Abstimmung auswerten. Kosten und Zahlungen müssen zugeordnet werden, und Zuordnung ist Arbeit.

Das Ergebnis ist eine Ansicht, die viel zeigt und wenig beantwortet. Fallzahlen steigen, die Leistungsstruktur verschiebt sich, eine Behandlerin liegt über dem Schnitt. Alles richtig, und keine dieser Angaben sagt, ob die Praxis Geld verdient.

Der zweite Fehler ist subtiler und richtet mehr Schaden an: Eine Ansicht, die alle Kacheln gleich darstellt, legt nahe, dass alle Zahlen gleich frisch sind. Sie sind es nicht. Der Fallwert des laufenden Quartals ist eine Schätzung, bis der Honorarbescheid da ist. Die Kostenquote des Vormonats ist vorläufig, solange nicht alles gebucht ist. Wer auf dieser Grundlage eine Entscheidung trifft, trifft sie auf Zahlen, die für endgültig gehalten werden.

Was individualisierbar heißen muss

Individualisierbar muss die Bezugsgröße sein, nicht die Oberfläche. Welche Kachel wo liegt, ist für die Steuerung die unwichtigste Ebene; drei andere zählen.

1. Die Bezugsgröße. Ob eine Praxis je Behandler:in, je Standort oder je Leistungsgruppe steuert, ist keine Darstellungsfrage. Eine Gemeinschaftspraxis mit zwei Standorten braucht die Aufteilung, eine Einzelpraxis braucht sie nicht. Wo diese Ebene fehlt, bleibt jede Abweichung eine Gesamtzahl ohne Adresse.

2. Die Schwelle. Eine Abweichung ist erst dann eine Meldung wert, wenn sie eine Größe erreicht, ab der jemand handeln würde. Ohne einstellbare Schwelle meldet eine Ansicht entweder dauernd etwas oder nie etwas, und beides führt dazu, dass niemand mehr hinsieht.

3. Der Vergleichsmaßstab. Eine eigene Zahl ohne Vergleich ist eine Zahl, keine Aussage. Der Vergleich kann die eigene Vorperiode sein, das eigene Ziel oder ein externer Wert. Nur der externe Wert liegt außerhalb der Praxis und muss von außen dazukommen; welche Kennzahlen dafür in Frage kommen, führt der Beitrag zu den Praxiskennzahlen aus.

Häufige Fehler

  • Die Leistungsstatistik für ein Ergebnis halten. Menge ist nicht Ertrag, und das Praxisverwaltungssystem kennt nur die Menge.
  • Zahlungseingänge dem Monat zuordnen, in dem sie ankommen. Bei quartalsweiser Vergütung liegt die Leistung Monate davor.
  • Alle Kacheln gleich aktuell darstellen. Der Stand einer Zahl gehört an die Zahl, nicht in eine Fußnote.
  • Zu viele Kennzahlen aufnehmen. Wer zwanzig Größen zeigt, zeigt keine. Vier, die monatlich wirklich angesehen werden, schlagen zwanzig, die niemand liest.
  • Die Bezugsgröße wechseln, ohne es zu sagen. Ein Anteil an den Aufwendungen und ein Anteil am Umsatz sind zwei verschiedene Zahlen, auch wenn beide „Personalquote“ heißen.

Was daraus für die Softwareauswahl folgt

Aus den drei Quellen ergibt sich eine Prüfliste, die vor jedem Anbietergespräch steht und die Frage nach Funktionen ersetzt. Vier Fragen sollten Sie stellen:

  1. Welche der drei Quellen liest das System selbst, und welche muss jemand von Hand nachtragen?
  2. Wie kommt die Kostenseite hinein, und in welchem Takt?
  3. Welche Bezugsgrößen sind einstellbar?
  4. Steht an jeder Zahl, wie aktuell sie ist?

Der Aufwand liegt nicht im Anzeigen, sondern im Zusammenführen: Honorardaten aus dem Praxisverwaltungssystem, Kosten aus der Buchhaltung, Bewegungen vom Konto. An zwei dieser drei Quellen setzt der Finanzmanager von MediPulse an: Er liest Daten aus dem Praxisverwaltungssystem und Kontobewegungen über die Bankschnittstelle ein und stellt die Werte anonymisierten Praxen derselben Fachrichtung gegenüber. Die gebuchte Kostenseite bleibt die dritte Quelle, die eine Praxis selbst beisteuern muss.

In welchem Takt diese Ansicht dann gelesen wird und wer welcher Abweichung nachgeht, behandelt der Beitrag zum Praxiscontrolling. Dieser hier bleibt bei der Frage, was überhaupt auf der Fläche stehen muss.

Rechtsstand und Vorbehalte

Die genannten Werte sind Mittelwerte aus Erhebungen und beschreiben keine einzelne Praxis. Die rund 4.470 Euro je Prozentpunkt und die rund 14.100 Euro für drei Prozentpunkte sind daraus abgeleitete eigene Rechnungen; sie unterstellen, dass allein der Personalaufwand steigt und die übrigen Positionen gleich bleiben; sie dienen der Einordnung, nicht der Planung. Der Zahlungstermin einer Kassenärztlichen Vereinigung steht beispielhaft und gilt nicht bundesweit. Die Angaben in diesem Beitrag sind allgemeine Information und ersetzen keine Steuer- oder Rechtsberatung; für die Auslegung im Einzelfall ist Ihre Steuerberatung die richtige Adresse.

Fazit

Ein Praxis-Dashboard ist kein Anzeigeproblem, sondern ein Zuordnungsproblem. Die Leistungsdaten sind schnell und unvollständig, die Kosten vollständig und langsam, der Kontostand exakt und ohne Bedeutung. Erst zusammen ergeben die drei ein Bild, gegen das sich eine Entscheidung treffen lässt.

Wer eine Software danach auswählt, fragt deshalb nicht zuerst nach Kacheln, sondern danach, welche Quellen sie selbst liest, welche Bezugsgrößen sie kennt und ob sie sagt, wie alt jede Zahl ist. Als Größenordnung dahinter steht: Ein Prozentpunkt mehr Personalanteil, der ein Jahr lang unbemerkt bleibt, kostet bei sonst gleichen Kosten rund 4.470 Euro je Inhaber:in.

Quellen

Häufige Fragen

Was gehört mindestens auf ein Praxis-Dashboard?

Drei Größen, die zusammen eine Aussage ergeben: die erbrachte Leistung je Quartal und Behandler:in, die Kostenseite mit ihren größten Blöcken und der tatsächliche Zahlungseingang. Fehlt eine davon, zeigt die Ansicht eine Menge oder einen Kontostand, aber nicht, ob die Praxis wirtschaftlich trägt.

Warum reicht die Auswertung im Praxisverwaltungssystem nicht?

Weil sie eine Leistungsstatistik ist. Das System führt jede Ziffer mit Tag und Diagnose, aber weder Kosten noch Zahlungseingänge. Eine Leistungsgruppe kann darin wachsen, ohne dass erkennbar wird, ob sie sich trägt. Für diese Frage müssen Zahlen von außen dazukommen.

Was ist ein Prozentpunkt Personalanteil wert?

Steigt der Anteil um einen Prozentpunkt, weil die Personalkosten wachsen und die übrigen Positionen gleich bleiben, sind das rund 4.470 Euro im Jahr je Inhaber:in. Grundlage sind die 183.223 Euro Aufwendungen des Berichtsjahrs 2023. Wer eine solche Verschiebung erst im Jahresabschluss bemerkt, hat sie zwölf Monate lang getragen.

Wie aktuell kann ein Praxis-Dashboard überhaupt sein?

Unterschiedlich je Quelle, und genau das gehört sichtbar gemacht. Leistungsdaten liegen am Behandlungstag vor, Kontobewegungen sofort, Kosten erst mit der Buchhaltung, das endgültige Honorar erst mit dem Bescheid. Ein Dashboard, das alles gleich frisch aussehen lässt, täuscht über den Stand und führt zu Schlüssen, die die Daten nicht tragen.

Was soll individualisierbar sein?

Nicht die Farben, sondern die Bezugsgröße. Ob eine Praxis je Behandler:in, je Standort oder je Leistungsgruppe steuert, entscheidet über die Auswertung. Einstellbar sein muss außerdem die Schwelle, ab der eine Abweichung überhaupt gemeldet wird, sonst meldet die Ansicht dauernd etwas und niemand sieht mehr hin.

Ersetzt ein Dashboard die Steuerberatung?

Nein, es verschiebt nur den Zeitpunkt. Der Jahresabschluss bleibt Aufgabe der Steuerberatung, ebenso die steuerliche Einordnung. Das Dashboard beantwortet die Frage dazwischen: ob die laufenden Monate in die Richtung laufen, die am Jahresende herauskommen soll, und zwar früh genug, um noch etwas zu ändern.

Kolja Schmid
Über den Autor
Kolja Schmid · Co-Founder

Als sein Vater 2014 ein chirurgisches MVZ gründete, übernahm Kolja Schmid die betriebswirtschaftliche Steuerung. Über sieben Jahre trug er Kontobewegungen, Personalkosten und Abrechnungen in Tabellen zusammen, immer im Nachhinein. MediPulse ist die Antwort auf diese Jahre: das Werkzeug, das er damals gebraucht hätte. Zuvor beriet er bei McKinsey zu digitalen Geschäftsmodellen. Bei MediPulse verantwortet er das Produkt.

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