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KV-Abschläge: wie viel Honorar die Praxis vorfinanziert

Bei den KVen Hamburg, Berlin und Bayern decken Abschläge 75 bis 82,5 Prozent des Quartalshonorars, der Rest kommt Monate später. Was das bindet, in Euro.

Kolja Schmid
Co-Founder ·
KV Hamburg, eigene Rechnung
Praxis mit 100.000 € Honorar je Quartal
Abschläge im Quartal75.000 €
Restzahlung je Quartal25.000 €
Restzahlung Q1 am23. August
Am Quartalsende ausstehend50.000 €

Nach den Regeln der KV Hamburg stehen bei 100.000 Euro KV-Honorar je Quartal am Ende jedes Quartals zwei Restzahlungen aus, zusammen 50.000 Euro, im Jahresmittel rund 60.000 Euro (eigene Rechnung). So viel Honorar finanziert die Praxis aus eigener Liquidität vor. Bei den KVen Hamburg, Berlin und Bayern decken die monatlichen Abschläge 75 bis 82,5 Prozent des Quartalshonorars; den Rest zahlt die KV erst mit der Restzahlung, in Hamburg für das erste Quartal am 23. August.

KV Abschlag Wann der Abschlag kommt Restzahlung
Hamburg 25 % des zu erwartenden Quartalsumsatzes je Monat Für den ersten und dritten Quartalsmonat am 23. desselben Monats, für den mittleren am 7. des Folgemonats; Dezember am 21.12. 1. Quartal am 23. August, 2. am 23. November, 3. am 22. Februar, 4. am 23. Mai
Berlin 27,5 % des zu erwartenden Quartalshonorars je Monat, Rest 17,5 % 1. Quartal 2026: 28. Januar, 25. Februar, 27. März Nach Abschluss der Quartalsabrechnung
Bayern Zusammen etwa 75 % des zu erwartenden Quartalshonorars Erster Werktag nach dem 9. eines Monats für den Vormonat; Dezember am ersten Werktag nach dem 10. Januar Rest von etwa 25 %; Termin nicht im Merkblatt
Sachsen Keine Quote auf der Seite Spätestens am 15. Kalendertag des Folgemonats Ende des vierten Monats nach Quartalsende, 1. Quartal 2026 am 24. Juli
Westfalen-Lippe Keine Quote im Terminplan 2. Quartal 2026: 15. Mai, 10. Juni, 15. Juli 1. Quartal 2026 am 24. Juli
Baden-Württemberg Keine Quote auf der Seite In der Regel am 25. eines Monats, sonst am folgenden Werktag; Dezember 2026 am 22. Keine Angabe auf der Seite

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei den KVen Hamburg, Berlin und Bayern decken die Abschläge 75 bis 82,5 Prozent des Quartalshonorars: 25 Prozent je Monat in Hamburg, 27,5 Prozent in Berlin, zusammen etwa 75 Prozent in Bayern. 17,5 bis 25 Prozent kommen erst mit der Restzahlung.
  • Die Restzahlung kommt bei den KVen Hamburg, Sachsen und Westfalen-Lippe rund vier bis fünf Monate nach Quartalsende, für das erste Quartal im Juli oder August.
  • Bei 100.000 Euro Quartalshonorar und den Hamburger Regeln stehen am Quartalsende 50.000 Euro aus, im Jahresmittel rund 60.000 Euro; bei angenommenen 8 Prozent Kontokorrentzins kostet das rund 4.900 Euro im Jahr (eigene Rechnung).
  • Wächst die Praxis, hinkt der Abschlag hinterher. Die KV Berlin rechnet mit dem Durchschnitt der zuletzt abgerechneten vier Quartale; bei 20 Prozent Wachstum beträgt die Restzahlung im Beispiel zunächst 37.500 statt 21.000 Euro bei angepasstem Abschlag (eigene Rechnung).
  • Eine Erhöhung gibt es bei der KV Bayerns auf Antrag, sofern das Honorarvolumen signifikant bzw. nicht nur vorübergehend ansteigt.

Wie viel Honorar die Praxis vorfinanziert

Nach den Regeln der KV Hamburg stehen bei 100.000 Euro Quartalshonorar am Ende jedes Quartals 50.000 Euro aus, die Hälfte eines Quartalshonorars (eigene Rechnung). Die Rechnung im Einzelnen:

  • Abschläge: dreimal 25.000 Euro, zusammen 75.000 Euro, für das erste Quartal gezahlt am 23. Januar, 7. März und 23. März.
  • Restzahlung: 25.000 Euro, für das erste Quartal am 23. August, abzüglich der Verwaltungskosten der KV.
  • Stand am Quartalsende: Am 31. März stehen zwei Restzahlungen aus, die des vierten Quartals aus dem Vorjahr (23. Mai) und die des ersten Quartals (23. August), zusammen 50.000 Euro.

Über das Jahr schwankt der ausstehende Betrag. Entsteht das Honorar gleichmäßig über das Quartal, liegt er im Jahresmittel bei rund 60.000 Euro und kurz vor einer Restzahlung bei gut 80.000 Euro (eigene Rechnung). Wird er über den Kontokorrentkredit getragen, kostet er bei angenommenen 8 Prozent rund 4.900 Euro im Jahr.

Nach den Berliner Regeln fallen die Abschläge höher aus, 27,5 Prozent je Monat; der Rest liegt bei 17,5 Prozent, im Beispiel 17.500 Euro je Quartal. Die Größenordnung hängt also an der eigenen KV und gehört mit ihren Zahlen in die Planung. Welche Zahlungsströme sonst noch an der Liquidität ziehen, erklärt der Beitrag zur Liquidität in der Arztpraxis.

Wenn die Praxis wächst

Bei der KV Berlin folgt der Abschlag dem Durchschnitt der zuletzt abgerechneten vier Quartale, nicht dem aktuellen Honorar. Steigt das Honorar, etwa durch eine neue Ärztin oder einen zusätzlichen Standort, bleiben die Abschläge zunächst auf dem alten Niveau, und der Unterschied landet in der Restzahlung.

Ein Beispiel nach den Berliner Regeln (eigene Rechnung): Das Quartalshonorar steigt von 100.000 auf 120.000 Euro, der Abschlag bleibt bei 27,5 Prozent von 100.000 Euro, also 82.500 Euro im Quartal. Die Restzahlung beträgt dann 37.500 statt 21.000 Euro, die bei angepasstem Abschlag fällig wären. Im ersten Quartal kommen damit 16.500 Euro erst mit der Restzahlung, die die KV Berlin nach Abschluss der Quartalsabrechnung überweist. Mit jedem abgerechneten Quartal auf neuem Niveau wird die Lücke kleiner; sobald ein Quartal auf neuem Niveau abgerechnet ist, liegt der Durchschnitt bei 105.000 Euro und die Lücke bei 12.375 Euro.

In dieser Phase kosten neue Stelle oder neuer Standort schon Gehalt und Miete, während der Abschlag noch dem alten Niveau folgt. Bei der KV Bayerns ist eine Erhöhung der monatlichen Abschlagszahlung auf Antrag möglich, sofern das Honorarvolumen signifikant bzw. nicht nur vorübergehend ansteigt. Was eine neue ärztliche Stelle kostet, rechnet der Beitrag zur Anstellung einer Ärztin vor; die Gegenrechnung für einen Standort zeigt der Beitrag zur Zweigpraxis.

Wenn das Honorar sinkt

Sinkt das Honorar, sind die Abschläge zu hoch, etwa nach längerer Krankheit, einer Praxisschließung über den Sommer oder dem Ausscheiden eines Partners. Die Restzahlung fällt dann kleiner aus, und im ungünstigen Fall entsteht eine Überzahlung, die ausgeglichen werden muss.

Die KV Bayerns kann den Abschlag unter anderem verringern oder aussetzen, wenn im letzten Honorarbescheid eine Überzahlung ausgewiesen ist, die noch nicht ausgeglichen ist, oder wenn Urlaub oder Krankheit von mehr als vier Wochen gemeldet wurde und die Praxis nicht durch eine Vertretung fortgeführt wird. Die KV Sachsen sieht eine temporäre Anpassung aus außergewöhnlichem Grund vor, etwa bei Krankheit oder längerer Abwesenheit, um Überzahlungen zu vermeiden; die KV Baden-Württemberg fragt bei Erkrankung oder Mutterschutz, in welcher Höhe die Abschläge in dieser Zeit weiterlaufen können.

So gehen Sie vor

Vier Schritte machen den Abschlag zur Steuergröße:

  1. Die Regeln der eigenen KV aufschreiben: Quote je Monat, Zahltermine, Termin der Restzahlung. Sie stehen auf der Internetseite oder im Merkblatt der KV.
  2. Den ausstehenden Betrag am Quartalsende berechnen: offene Restzahlungen plus noch nicht gezahlte Abschläge. Das ist der Betrag, den die Praxis aus eigener Liquidität trägt.
  3. Abschlag und tatsächliches Honorar jedes Quartal vergleichen. Abschläge und Restzahlungen stehen in der Kontoübersicht des Honorarbescheids, das laufende Honorar in der Quartalsstatistik des Praxisverwaltungssystems. Liegt das Honorar zwei Quartale in Folge deutlich über dem Niveau, auf dem der Abschlag beruht (eigene Faustregel für „nicht nur vorübergehend“), bei der KV eine Erhöhung erfragen, in Bayern per Antrag; liegt es deutlich darunter, eine Anpassung melden, bevor eine Überzahlung entsteht.
  4. HZV und Privat getrennt planen. Die HZV läuft in der Regel über den Hausärzteverband und dessen Rechenzentrum, die HÄVG, mit eigenen Abschlägen, beschrieben im Beitrag zur HZV-Abrechnung; Privathonorar kommt ohne Quartalsrhythmus.

Häufige Fehler

  • Das Quartalshonorar mit dem Zahlungseingang verwechseln. Zwischen 17,5 Prozent (KV Berlin) und 25 Prozent (KV Hamburg, etwa auch KV Bayerns) kommen erst mit der Restzahlung.
  • Wachstum über die Restzahlung finanzieren lassen. Im Berliner Beispiel kommen bei 20 Prozent Wachstum zunächst 16.500 Euro je Quartal erst mit der Restzahlung (eigene Rechnung); wo die KV eine Erhöhung auf Antrag vorsieht, wie die KV Bayerns, verkürzt das die Lücke.
  • Rückgänge nicht melden. Zu hohe Abschläge führen zu einer Überzahlung, die ausgeglichen werden muss.
  • Mit den Zahlen einer anderen KV planen. Quote, Termine und Berechnungsgrundlage unterscheiden sich zwischen den KVen.
  • Die Restzahlung brutto einplanen. Die Verwaltungskosten der KV werden abgezogen, bei der KV Berlin für die Quartale 4/2025 bis 3/2026 allgemein 2,40 Prozent.

Was daraus für die Praxis folgt

Die Abschlagsregeln sind kein Detail der Abrechnung, sondern ein zinsloser Kredit, den die Praxis der KV gewährt, im Hamburger Beispiel im Jahresmittel rund 60.000 Euro. Steuern lässt er sich über zwei Zahlen: das tatsächliche Honorar des laufenden Quartals und den Abschlag, auf dem die Zahlungen beruhen. Der Praxismanager von MediPulse zeigt die Umsatzentwicklung nach Abrechnungsart bereits im laufenden Quartal, im Vorjahresvergleich.

Rechtsstand und Vorbehalte

Die Regeln zu Abschlags- und Restzahlungen stammen von den Kassenärztlichen Vereinigungen Bayerns, Berlin, Hamburg, Sachsen, Baden-Württemberg und Westfalen-Lippe; andere KVen regeln abweichend. Die KV Hamburg kann in Ausnahmefällen abweichende Termine festsetzen, Westfalen-Lippe behält sich Änderungen vor. Die Rechenbeispiele sind eigene Rechnungen mit angenommenem Quartalshonorar, der Kontokorrentzins ist eine Annahme. Der Beitrag ersetzt keine Beratung durch die eigene KV.

Fazit

Bei den KVen Hamburg, Berlin und Bayern decken die Abschläge 75 bis 82,5 Prozent des Quartalshonorars; Hamburg, Sachsen und Westfalen-Lippe zahlen den Rest rund vier bis fünf Monate nach Quartalsende. Bei 100.000 Euro Quartalshonorar und den Hamburger Regeln stehen am Quartalsende 50.000 Euro aus, im Jahresmittel rund 60.000 Euro (eigene Rechnung). Wächst die Praxis, gehört eine Erhöhung auf die Liste; sinkt das Honorar, eine frühe Meldung.

Quellen

Häufige Fragen

Was sind KV-Abschlagszahlungen?

Monatliche Vorauszahlungen der Kassenärztlichen Vereinigung auf das zu erwartende Quartalshonorar. Den Rest zahlt die KV mit der Restzahlung, wenn die Quartalsabrechnung abgeschlossen ist. Höhe und Termine legt jede KV selbst fest.

Wie hoch ist die Abschlagszahlung?

Je nach KV verschieden. Die KV Hamburg zahlt monatlich 25 Prozent des zu erwartenden Quartalsumsatzes, die KV Berlin 27,5 Prozent; die KV Bayerns nennt Abschläge von zusammen etwa 75 Prozent des zu erwartenden Honorars. Bei diesen drei KVen decken die Abschläge damit 75 bis 82,5 Prozent des Quartalshonorars.

Wann kommt die Restzahlung der KV?

Bei den KVen Hamburg, Sachsen und Westfalen-Lippe rund vier bis fünf Monate nach Quartalsende. Die KV Sachsen zahlt sie am Ende des vierten Monats nach Quartalsende, für das erste Quartal 2026 am 24. Juli 2026; die KV Westfalen-Lippe für das erste Quartal 2026 ebenfalls am 24. Juli 2026; die KV Hamburg für das erste Quartal am 23. August.

Kann ich die Abschlagszahlung erhöhen lassen?

Bei der KV Bayerns auf Antrag, sofern das Honorarvolumen signifikant bzw. nicht nur vorübergehend ansteigt. Die KV Berlin berechnet den Abschlag aus dem Durchschnitt der zuletzt abgerechneten vier Quartale; einem Wachstum folgt er deshalb erst mit Verzögerung. Ob und wie die eigene KV eine Erhöhung vorsieht, steht in ihren Regeln.

Was passiert, wenn das Honorar sinkt?

Dann sind die Abschläge zu hoch, und die Restzahlung fällt kleiner aus oder es entsteht eine Überzahlung, die ausgeglichen werden muss. Die KV Bayerns kann den Abschlag unter anderem verringern oder aussetzen, wenn eine Überzahlung noch nicht ausgeglichen ist oder Urlaub oder Krankheit von mehr als vier Wochen ohne Vertretung gemeldet wurde.

Kolja Schmid
Über den Autor
Kolja Schmid · Co-Founder

Als sein Vater 2014 ein chirurgisches MVZ gründete, übernahm Kolja Schmid die betriebswirtschaftliche Steuerung. Über sieben Jahre trug er Kontobewegungen, Personalkosten und Abrechnungen in Tabellen zusammen, immer im Nachhinein. MediPulse ist die Antwort auf diese Jahre: das Werkzeug, das er damals gebraucht hätte. Zuvor beriet er bei McKinsey zu digitalen Geschäftsmodellen. Bei MediPulse verantwortet er das Produkt.

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