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MVZ wirtschaftlich optimieren: welcher Hebel wie viel bringt

Im MVZ bleiben nach 83,2 Prozent Aufwendungen nur 16,8 Prozent der Einnahmen. Ein Prozent mehr Einnahmen hebt das Ergebnis um 5,4 Prozent (eigene Rechnung).

Kolja Schmid
Co-Founder ·
Hebel im MVZ, eigene Rechnung
Wirkung von 1 % auf das Ergebnis
+1 % Einnahmen+5,4 %
-1 % Personalaufwand+3,1 %
-1 % Sachaufwand+1,9 %
-1 % Miete/Leasing+0,3 %

Ein MVZ behält von jedem Euro Einnahmen im Mittel 16,8 Cent, weil seine Aufwendungen 83,2 Prozent der Einnahmen ausmachen (Statistisches Bundesamt, Kostenstrukturstatistik 2024; Destatis selbst führt den Reinertrag als 16,8 Prozent mit eingeschränktem Aussagewert). Auf diesen schmalen Rest wirkt jeder Hebel vervielfacht: 1 Prozent mehr Einnahmen hebt das Ergebnis um 5,4 Prozent, 1 Prozent weniger Personalaufwand um 3,1 Prozent, 1 Prozent weniger Sachaufwand um 1,9 Prozent (eigene Rechnung). Die stärkste Stellgröße eines MVZ ist deshalb, was eine ärztliche Stelle einbringt, nicht, was sie kostet.

Block Anteil an den Einnahmen Wirkung von 1 % auf das Ergebnis (eigene Rechnung) Beispiel 3 Mio. € Einnahmen, Ergebnis 504.000 € (Annahme)
Einnahmen 1 % höher, Material wächst mit 100 %, davon Material 9,5 % (eingeschränkter Aussagewert) +5,4 % +27.150 €
Personalaufwand 1 % niedriger 51,8 % +3,1 % +15.540 €
darunter ärztliche Bruttoentgelte 22,4 % +1,3 % +6.720 €
darunter übrige Bruttoentgelte 21,0 % +1,25 % +6.300 €
Sachaufwand zusammen 1 % niedriger 31,1 % (enthält Werte mit eingeschränktem Aussagewert) +1,9 % +9.330 €
darunter Miete und Leasing 5,1 % +0,3 % +1.530 €

Das Wichtigste in Kürze

  • Im MVZ bleiben im Mittel 16,8 Prozent der Einnahmen übrig, weil die Aufwendungen 83,2 Prozent betragen (Destatis, 2024). In Einzelpraxen liegt der Reinertrag bei 45,6 Prozent, in fachgleichen Berufsausübungsgemeinschaften bei 44,3 Prozent.
  • Der Hauptgrund ist die Anstellung: Ärztliche Bruttoentgelte machen im MVZ 22,4 Prozent der Einnahmen aus, in Einzelpraxen 4,9 Prozent. Die Quoten sind deshalb nicht direkt vergleichbar.
  • Einnahmen wirken mit Faktor gut 5: 1 Prozent mehr Einnahmen hebt das Ergebnis um 5,4 Prozent, in einer Einzelpraxis um 2,1 Prozent (eigene Rechnung).
  • Je Euro ärztlichem Bruttolohn erzielen MVZ 2,75 bis 4,78 Euro Einnahmen, je nach Größenklasse (eigene Rechnung). Das ist die Messgröße, an der Hebel 1 hängt.
  • 10 Prozent weniger Sachaufwand bringen 18,5 Prozent mehr Ergebnis, so viel wie rund 3,4 Prozent mehr Einnahmen (eigene Rechnung). Wie viel davon kurzfristig beweglich ist, erhebt die Statistik für MVZ nicht.

Warum im MVZ so wenig übrig bleibt

Im MVZ steht die ärztliche Arbeit als Gehalt in den Aufwendungen, in der Einzelpraxis steht sie im Reinertrag. Daraus erklärt sich der größere Teil des Abstands. Von den 28,8 Prozentpunkten zwischen 16,8 und 45,6 Prozent Reinertrag entfallen 17,5 Punkte auf die Bruttoentgelte angestellter Ärzt:innen, 2,1 Punkte auf den übrigen Personalaufwand und rund 9 Punkte auf einen höheren Sachaufwand, vor allem Material (eingeschränkter Aussagewert) und sonstige betriebliche Aufwendungen (eigene Rechnung). Der Personalaufwand der MVZ liegt bei 51,8 Prozent der Einnahmen, in fachgleichen Berufsausübungsgemeinschaften bei 34,4 Prozent und in Einzelpraxen bei 32,2 Prozent (Destatis, 2024).

Zerlegt man den Abstand im Personalaufwand von 19,6 Prozentpunkten, entfallen 17,5 Punkte auf die Bruttoentgelte angestellter Ärzt:innen (22,4 gegen 4,9 Prozent), 1,5 Punkte auf gesetzliche Sozialaufwendungen (7,2 gegen 5,7 Prozent), 0,2 Punkte auf die übrigen Bruttoentgelte (21,0 gegen 20,8 Prozent) und 0,4 Punkte auf den Rest des Personalaufwands (eigene Rechnung). Den Unterschied machen also die ärztlichen Gehälter, nicht die nichtärztlichen. Im Mittel zählt ein MVZ 1,1 Inhaber:innen und 8,5 angestellte Ärzt:innen (Destatis; der zweite Wert mit eingeschränktem Aussagewert).

Die beiden Reinertragsquoten messen deshalb Verschiedenes, zumal der Reinertrag nach Destatis weder dem Einkommen der Ärzt:innen noch dem Gewinn der Praxis entspricht; warum gewohnte Praxiskennzahlen im MVZ anders zu lesen sind, führt der Beitrag zum MVZ-Controlling aus.

Die Folge für die Hebel ist rein rechnerisch. Ein schmaler Rest reagiert stark auf kleine Verschiebungen. In der Einzelpraxis hebt 1 Prozent mehr Einnahmen bei mitwachsendem Material das Ergebnis um 2,1 Prozent, 1 Prozent weniger Personalaufwand um 0,7 Prozent (eigene Rechnung: 0,961 ÷ 45,6 und 0,322 ÷ 45,6). Im MVZ sind es 5,4 und 3,1 Prozent (eigene Rechnung). Dieselbe Maßnahme hat im Zentrum also ein Vielfaches an Gewicht, nach unten wie nach oben: Sinken die Einnahmen um 1 Prozent, fällt das Ergebnis um 5,4 Prozent (eigene Rechnung). Weil der Rest im MVZ die ärztliche Vergütung schon abgezogen hat, vergleicht der Faktor Ergebnisse unterschiedlicher Bedeutung; er zeigt die Empfindlichkeit, nicht die Wirtschaftlichkeit.

Hebel 1: Einnahmen je ärztlicher Stelle

Der stärkste Hebel im MVZ ist das Verhältnis von Einnahmen zu ärztlichen Personalkosten. Im Mittel aller MVZ stehen jedem Euro ärztlichem Bruttolohn 4,46 Euro Einnahmen gegenüber (eigene Rechnung: 1 ÷ 22,4 Prozent). Nach Größenklassen fällt der Wert deutlich auseinander:

Einnahmen des MVZ Ärztliche Bruttoentgelte in % der Einnahmen (Destatis) Einnahmen je 1 € ärztlicher Bruttolohn (eigene Rechnung)
unter 1 Mio. € 36,3 % 2,75 €
1 bis 2,5 Mio. € 26,4 % 3,79 €
ab 2,5 Mio. € 20,9 % 4,78 €
alle MVZ 22,4 % 4,46 €

Woran der Abstand zwischen den Klassen liegt, sagt die Statistik nicht. Der Fachgebietsmix der Größenklassen ist nicht ausgewiesen, und Unterschiede in Fachrichtung oder Gerätelast können ihn genauso erklären wie Unterschiede in der Auslastung. Der Wert taugt deshalb als Orientierung für das eigene Zentrum, nicht als Beweis einer Ursache.

Was eine Verbesserung bringt, lässt sich dagegen beziffern. Steigen die Einnahmen je Stelle um 5 Prozent, bei sonst gleichen Kosten und mitwachsendem Material, hebt das das Ergebnis um rund 27 Prozent (eigene Rechnung: 5 × 0,905 = 4,5 Punkte ÷ 16,8). Im Beispiel-MVZ mit 3 Millionen Euro Einnahmen sind das 135.750 Euro (eigene Rechnung, Annahme).

Die Wege dorthin beziffert dieser Beitrag nicht einzeln, weil sie je Zentrum verschieden wirken. Infrage kommen unter anderem:

  • Besetzung: Eine Stelle, die Gehalt kostet, aber wegen Vorlauf oder Lücke wenig abrechnet, drückt die Quote. Die Genehmigungs- und Besetzungsfragen behandelt der Beitrag zum MVZ-Management.
  • Auslastung: Sprechstundenzeit, die nicht in abgerechnete Leistung mündet, senkt die Einnahmen je Stelle bei gleichem Gehalt.
  • Leistungsspektrum: Erbrachte, aber nicht oder unvollständig abgerechnete Leistungen; wie man sie findet, steht im Beitrag zur Abrechnungsoptimierung.
  • Privatanteil: 26,3 Prozent der MVZ-Einnahmen stammen aus Privatabrechnung, 67,0 Prozent aus Kassenabrechnung (Destatis, 2024). Wie sich dieser Teil entwickeln lässt, zeigt der Beitrag zu Privateinnahmen.

Hebel 2: Personalaufwand

Der Personalaufwand ist mit 51,8 Prozent der Einnahmen der größte Block, aber der am stärksten gebundene. Rechnerisch bringt 1 Prozent weniger Personalaufwand 3,1 Prozent mehr Ergebnis (eigene Rechnung: 0,518 ÷ 16,8), im Beispiel-MVZ 15.540 Euro (eigene Rechnung, Annahme).

Die ärztlichen Bruttoentgelte, 22,4 Prozent der Einnahmen, sind dabei kein realistischer Ansatzpunkt für Kürzungen. Sie stehen in Arbeitsverträgen und lassen sich kurzfristig kaum senken; die ärztliche Personalkostenquote sinkt deshalb vor allem über den Nenner, also über Hebel 1.

Anders die übrigen Bruttoentgelte mit 21,0 Prozent der Einnahmen. Hier lohnt der Vergleich mit der eigenen Größenklasse: 25,4 Prozent unter 1 Million Euro Einnahmen, 25,2 Prozent bei 1 bis 2,5 Millionen Euro, 20,0 Prozent ab 2,5 Millionen Euro (Destatis, 2024). Wie man die Quote richtig abgrenzt, erklärt der Beitrag zur Personalkostenquote; das Verhältnis von Assistenz zu ärztlichen Stellen der Beitrag MFA pro Arzt. Ein Prozent weniger übrige Bruttoentgelte bringt 1,25 Prozent Ergebnis (eigene Rechnung).

Hebel 3: Sachaufwand

Der Sachaufwand des MVZ summiert sich auf 31,1 Prozent der Einnahmen (eigene Rechnung aus den Destatis-Anteilen). Er setzt sich zusammen aus Material, Fremdlabor und externer Infrastruktur mit 9,5 Prozent (eingeschränkter Aussagewert), Miete und Leasing mit 5,1 Prozent, Heizung, Strom, Gas und Wasser mit 1,2 Prozent, Versicherungen, Beiträgen und Gebühren mit 1,0 Prozent (eingeschränkter Aussagewert), Abschreibungen mit 3,9 Prozent und sonstigen betrieblichen Aufwendungen mit 10,4 Prozent. Die Kfz-Kosten weist Destatis für MVZ nicht aus; Personal- und Sachaufwand zusammen ergeben 82,9 Prozent, die Differenz von 0,3 Punkten zu 83,2 Prozent geht auf diese Lücke und auf Rundung (eigene Rechnung).

1 Prozent weniger Sachaufwand bringt 1,9 Prozent mehr Ergebnis (eigene Rechnung: 0,311 ÷ 16,8), im Beispiel-MVZ 9.330 Euro. Ein großer Schnitt über alle Positionen, 10 Prozent weniger, hebt das Ergebnis um 18,5 Prozent oder 93.300 Euro im Beispiel (eigene Rechnung). Denselben Effekt hätten rund 3,4 Prozent mehr Einnahmen bei mitwachsendem Material (eigene Rechnung: 18,5 ÷ 5,4).

Die Rechnung unterstellt allerdings, dass alle Sachposten gleichermaßen beweglich sind. Das sind sie nicht: Miete, Leasing und Abschreibungen folgen Verträgen und Investitionen der Vorjahre. Für Arztpraxen (Zi-Praxis-Panel 2023, je Inhaber:in) kommt der Beitrag Praxiskosten senken nach einer eigenen Zuordnung auf höchstens 13 Prozent der Aufwendungen, die kurzfristig beweglich sind. Für MVZ ist das nicht erhoben, und der Wert lässt sich nicht übertragen; er zeigt nur, dass der bewegliche Teil deutlich kleiner sein kann als der ganze Block.

Der Rest nach Größenklassen

Zwischen den Größenklassen liegt der Rest um fast 25 Prozentpunkte auseinander: minus 5,8 Prozent unter 1 Million Euro Einnahmen, 11,4 Prozent bei 1 bis 2,5 Millionen Euro, 19,0 Prozent ab 2,5 Millionen Euro (eigene Rechnung, 100 minus Aufwandsquote). Destatis weist für die oberste Klasse den Reinertrag selbst als 19,0 Prozent aus, mit eingeschränktem Aussagewert, für die mittlere keinen; die zugrunde liegenden Aufwandsquoten erläutert der Beitrag zur MVZ-Gründung.

Je schmaler der Rest, desto größer der Faktor. Bei 11,4 Prozent Rest hebt 1 Prozent mehr Einnahmen das Ergebnis um rund 8,2 Prozent, wenn das Material mitwächst (eigene Rechnung: 0,937 ÷ 11,4; Materialanteil der Klasse 6,3 Prozent, eingeschränkter Aussagewert). Zentren der mittleren Klasse reagieren also besonders empfindlich auf ihre Einnahmen je Stelle.

Die Messgröße: Einnahmen je Euro ärztlicher Bruttolohn

Ob ein MVZ besser wird, zeigt am direktesten das Verhältnis von Einnahmen zu ärztlichen Bruttoentgelten, gerechnet je Fachgruppe, Standort und Behandler:in und jedes Quartal neu. Das Verhältnis ist die mit der Statistik vergleichbare Vorstufe des Deckungsbeitrags je Behandler:in, den der Beitrag zum MVZ-Controlling beschreibt. Dazu gehört als zweite Zahl die Ergebnisquote, also der Rest nach allen Aufwendungen in Prozent der Einnahmen.

Ein anderes Beispiel als in der Tabelle oben, ebenfalls mit angenommenen Werten: Ein Zentrum mit 3 Millionen Euro Einnahmen und 800.000 Euro ärztlichen Bruttoentgelten kommt auf 3,75 Euro je Euro ärztlichem Bruttolohn (eigene Rechnung). Damit läge es unter dem Mittel seiner Größenklasse ab 2,5 Millionen Euro, 4,78 Euro.

Zwei Dinge machen den Vergleich erst sauber. Erstens muss die eigene Zahl so abgegrenzt sein wie die der Statistik: Bruttoentgelte angestellter Ärzt:innen, ohne Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Ärztliche Arbeit von Inhaber:innen ohne Gehalt steht nicht darin. Zweitens gehören Einnahmen und Gehälter aus demselben Zeitraum zusammen, also Quartal zu Quartal oder Jahr zu Jahr. Wie man Standorte nebeneinander auswertet, beschreibt der Beitrag zum Controlling mehrerer Standorte; wie sich das Honorar einzelnen Behandler:innen zurechnen lässt, der Beitrag zur MVZ-Abrechnung.

So gehen Sie vor

  1. Den eigenen Rest berechnen: Aufwendungen in Prozent der Einnahmen, 100 minus diese Quote. Daraus ergibt sich der eigene Hebelfaktor: 1 geteilt durch den Rest.
  2. Einnahmen je Euro ärztlicher Bruttolohn bilden, für das Zentrum und je Fachgruppe, Standort und Behandler:in, und gegen den Wert der eigenen Größenklasse halten: 2,75, 3,79 oder 4,78 Euro (eigene Rechnung).
  3. Liegt der Wert unter dem der Klasse, zuerst an Hebel 1 arbeiten: Besetzung, Auslastung, Leistungsspektrum und Privatanteil der schwächeren Einheiten prüfen, bevor Kosten gekürzt werden. Weicht der eigene Fachgebietsmix stark vom Durchschnitt ab, ist der Klassenwert nur grob; aussagekräftiger ist dann der Vergleich der eigenen Einheiten untereinander und über die Quartale.
  4. Liegt der Wert auf oder über dem der Klasse und das Ergebnis bleibt trotzdem schmal, die übrigen Bruttoentgelte gegen die Klassenwerte von 20,0 bis 25,4 Prozent halten und den Sachaufwand Posten für Posten danach sortieren, was kurzfristig beweglich ist.
  5. Beide Zahlen quartalsweise fortschreiben, damit sichtbar wird, ob eine Maßnahme den Wert bewegt hat.

Häufige Fehler

  • Die Ergebnisquote des MVZ mit der einer Einzelpraxis vergleichen. 16,8 gegen 45,6 Prozent sagt für sich nichts darüber, ob das MVZ schlechter wirtschaftet; der größte Teil des Abstands ist ärztliche Vergütung, die im MVZ schon in den Aufwendungen steht.
  • Beim größten Block anfangen, weil er der größte ist. 1 Prozent Personalaufwand bewegt das Ergebnis um 3,1 Prozent, 1 Prozent Einnahmen um 5,4 Prozent (eigene Rechnung), und Gehälter sind vertraglich gebunden.
  • Ärztliche Gehälter senken wollen, um die Quote zu drücken. Die Quote sinkt über die Einnahmen je Stelle.
  • Den ganzen Sachaufwand für beweglich halten. Miete, Leasing und Abschreibungen folgen Verträgen und früheren Investitionen.
  • Nur das Zentrum als Ganzes auswerten. Das Verhältnis von Einnahmen zu ärztlichem Bruttolohn zeigt erst je Fachgruppe, Standort und Behandler:in, wo es hakt.

Was daraus für das Zentrum folgt

Wer ein MVZ wirtschaftlich verbessern will, beginnt bei den Einnahmen je ärztlicher Stelle und behandelt Kostensenkung als zweiten Schritt. Der Grund ist der Faktor: Auf 16,8 Prozent Rest wirkt jedes Prozent Einnahmen gut fünffach (eigene Rechnung). Dafür muss die Einnahmenseite aber nach Einheiten getrennt vorliegen, nicht erst als Summe im Honorarbescheid. Der Praxismanager von MediPulse zeigt die abgerechneten Leistungen je Standort, je Arzt und je Abrechnungsart schon vor dem Honorarbescheid; das ist der Frühwert für den Zähler, die endgültigen Einnahmen stehen im Honorarbescheid. Den Nenner, die ärztlichen Bruttoentgelte, liefert die Lohnabrechnung.

Rechtsstand und Vorbehalte

Die Zahlen stammen aus der Kostenstrukturstatistik 2024 des Statistischen Bundesamts und sind Durchschnitte über sehr unterschiedliche Zentren, nach Fachrichtung, Größe und Träger. Werte in Klammern, darunter der Reinertrag von 16,8 Prozent, der Materialaufwand von 9,5 Prozent und die Zahl der angestellten Ärzt:innen von 8,5, haben einen eingeschränkten Aussagewert. Die Hebelrechnungen sind linear vereinfacht: Sie verändern jeweils einen Block und halten den Rest konstant; ohne mitwachsendes Material hebt 1 Prozent mehr Einnahmen das Ergebnis um 6,0 statt 5,4 Prozent (eigene Rechnung). Im echten Zentrum kann mehr Leistung dagegen auch mehr Personal oder Material binden. Die Folge für die eigene Planung: Die Faktoren zeigen die Rangfolge und Größenordnung der Hebel; für eine Entscheidung gehört die eigene Rechnung mit den eigenen Quoten daneben. Der Beitrag ersetzt keine steuerliche oder betriebswirtschaftliche Beratung.

Fazit

Ein MVZ behält im Mittel 16,8 Prozent seiner Einnahmen, vor allem weil ärztliche Arbeit dort als Gehalt in den Aufwendungen steht. Auf diesen schmalen Rest wirken Einnahmen mit Faktor gut 5: 1 Prozent mehr hebt das Ergebnis um 5,4 Prozent, 1 Prozent weniger Personalaufwand um 3,1 Prozent, 1 Prozent weniger Sachaufwand um 1,9 Prozent (eigene Rechnung). Die Messgröße, die das zusammenführt, sind die Einnahmen je Euro ärztlicher Bruttolohn, im Mittel 4,46 Euro und je nach Größenklasse 2,75 bis 4,78 Euro (eigene Rechnung). Wer darunter liegt, prüft zuerst Besetzung, Auslastung, Leistungsspektrum und Privatanteil der schwächeren Einheiten und erst danach die Kosten.

Quellen

Häufige Fragen

Wie viel bleibt einem MVZ von den Einnahmen?

Im Mittel 16,8 Prozent. Die Aufwendungen der Medizinischen Versorgungszentren lagen 2024 bei 83,2 Prozent der Einnahmen (Statistisches Bundesamt, Kostenstrukturstatistik). Destatis weist den Reinertrag selbst als 16,8 Prozent aus, mit eingeschränktem Aussagewert. Der Reinertrag entspricht nicht dem Gewinn oder dem Einkommen der Ärzt:innen.

Welcher Hebel wirkt im MVZ am stärksten?

Die Einnahmen. Ein Prozent mehr Einnahmen hebt das Ergebnis um rund 5,4 Prozent, wenn das Material mitwächst und die übrigen Kosten gleich bleiben. Ein Prozent weniger Personalaufwand bringt 3,1 Prozent, ein Prozent weniger Sachaufwand 1,9 Prozent (eigene Rechnung auf Basis der Destatis-Anteile 2024).

Lohnt Kostensenkung im MVZ?

Sie wirkt, aber mit weniger Wucht als die Einnahmenseite. Würden alle Sachaufwendungen um 10 Prozent sinken, stiege das Ergebnis um 18,5 Prozent; so viel bringen auch rund 3,4 Prozent mehr Einnahmen (eigene Rechnung). Wie viel der Sachkosten kurzfristig beweglich ist, erhebt die Statistik für MVZ nicht.

Warum ist der Personalanteil im MVZ so hoch?

Weil ärztliche Arbeit im MVZ überwiegend als Gehalt in den Aufwendungen steht. Die Bruttoentgelte angestellter Ärzt:innen machen 22,4 Prozent der Einnahmen aus, in Einzelpraxen 4,9 Prozent. Der Personalaufwand insgesamt liegt bei 51,8 Prozent gegen 32,2 Prozent in Einzelpraxen (Destatis, 2024).

Woran messe ich, ob mein MVZ besser wird?

An den Einnahmen je Euro ärztlicher Bruttoentgelte, je Fachgruppe, Standort und Behandler:in, dazu an der Ergebnisquote. Im Mittel aller MVZ stehen jedem Euro ärztlichem Bruttolohn 4,46 Euro Einnahmen gegenüber, je nach Größenklasse 2,75 bis 4,78 Euro (eigene Rechnung aus Destatis 2024).

Kolja Schmid
Über den Autor
Kolja Schmid · Co-Founder

Als sein Vater 2014 ein chirurgisches MVZ gründete, übernahm Kolja Schmid die betriebswirtschaftliche Steuerung. Über sieben Jahre trug er Kontobewegungen, Personalkosten und Abrechnungen in Tabellen zusammen, immer im Nachhinein. MediPulse ist die Antwort auf diese Jahre: das Werkzeug, das er damals gebraucht hätte. Zuvor beriet er bei McKinsey zu digitalen Geschäftsmodellen. Bei MediPulse verantwortet er das Produkt.

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